WIR LERNEN UNS IM COBRAKONTEXT KENNEN UND TREFFEN UNS und aufeinander

Marja Christians und Carolin Gerlach laden sich am 3. April 2014 selbst auf eine Probe ein. cobra#massentauglich.cobra haben am 4. April öffentliche Preview und am 24.4. Premiere. Darum anlässlich ein geteiltes Dokument. Online, zeitsynchron, nicht-linear.

Re-Aktion, was ist das? Was kann Aktion sein bei cobra und was kann Reaktion sein? Wie, Wann, zwischen Wem kann agiert werden und Wie wird darauf reagiert? WORAUF wird reagiert? Welche Form nimmt eine Reaktion an? Wann kann Reaktion stattfinden? Und wie wird Reaktion zum Teil der Aktion?

Sinnstiftend für das cobra-Netzwerk ist das Aufeinander-Reagieren, das Einbeziehen anderer Cobras in Konzeptgedanken, Probengespräche, und später auch Aufführungsbesuche. Je nach dem kann eine cobra-Reaktion also als Rezension einer cobra-Produktion entstehen, die im Anschluss an eine abgeschlossene Inszenierung beispielsweise in Form einer Theaterkritik öffentlich zugänglich gemacht wird. Was aber, wenn cobras schon vor Inszenierungsabschluss zusammenkommen!
Was ist der Unterschied einer cobra-Reaktion die innerhalb des Probenprozesses geschieht und einer, die als Aufführungsbesuch entsteht? Wie kann überhaupt reagiert werden-  oder vielleicht sogar interagiert?

Ein Gespräch in einem Raum. Pappe am Boden. Es wird gearbeitet. cobras sitzen im Kreis und reden. Warum sprechen sie miteinander?

Das große Fragezeichen nach der Bedeutung des Netzwerk-inhärenten Austausches unter cobra-Mitgliedern kann sich in viele Farben kleiden. So kommen selbst unterschiedliche Vorstellungen von Inhalt, Ziel und Zweck dieser cobra-Reaktion zwischen verschiedenen cobras zur Sprache. Ein Format zwischen Befürchtungen und Begeisterung. Wie setzt die eingeladene cobra sich ins Verhältnis mit der Einladenden? Welche Theaterverständnisse treffen aufeinander und wo können diese sich reiben, aneinander schärfen und weiterbringen?

Couches werden enger zusammengerückt. Nach und nach versammeln sich alle Produktionsbeteiligten zögerlich um uns Gäste. Im Vorfeld kommunizierten wir spät, kurzfristig und missverständlich miteinander. Unterschiedliche Auffassungen von uns cobra-Besuch auf der einen und bei der cobra-Produktion auf der anderen Seite. Und dann sitzen wir gemeinsam. Wir, alle, cobras. “Wir lernen uns im Cobra-Kontext kennen und treffen uns” sagen wir. Und sie sagen “Da ist die cobra-Reaktion eher ein Zwischenmenschliches denn ein Ästhetisches”, und verstehen: wir sind gekommen, um zu beschreiben, nicht zu urteilen. Wir sind alle da, um gemeinsam etwas zu formulieren, zu befragen. Wir sind keine cobra-Kontrolleure, keine Produktions-Polizei, keine Fehlerzähler. Wir zelebrieren den Austausch, nicht die Draufsicht.
Was wird ausgetauscht wenn wir reagieren? Es ist der Prozess des Reagieren selbst.

Erleichterung liegt im Raum. Wir sitzen zusammen, wir proben nicht. Wir probieren sprechen. Aufeinanderzubewegung. Jede_r erzählt von der eigenen Vorstellung. Was bedeutest du mir, was mache ich hier? Was will ich, das wir zusammen sein können? Fragen an die cobra. Signalisieren: Wir sind da. Beieinander. Hören einander zu. Treffen aufeinander.
Dann probt ihr general. Mit gesenktem Blick und doch zu uns in die Stuhlreihen. Und sagt: “Verzeiht uns viel und habt Spaß an den Dingen, an denen ihr Spaß habt”.
Wir lachen. Vorher und nachher und zwischendrin. Und sind erstaunt, wie eure Unsicherheit zur Methode wird. Ihr riskiert viel. Vor allem auf der Bühne. Ihr wisst, was ihr tut, aber nicht, wie ihr wirkt. Hier kommen wir ins Spiel. Wir sind euer Publikum. Eure Freunde und Rückendecker. Wir umarmen euch ab sofort, vom ersten Treffen an. Familienzugehörigkeit, ohne am selben Strang ziehen zu müssen. Warum macht ihr eure Kunst und warum interessieren wir uns dafür? Weil cobra-Bisse einen, ohne einig sein zu müssen.

Wir kommen und bleiben und sprechen miteinander. Ihr könnt euch an uns reiben, uns als Spiegel nutzen, unsere Erfahrungen mit eurer Aufführung abrufen. Ihr braucht keine Angst haben. Wir sind da. Und wir sind geduldig. Wie Familienmitglieder; die bleiben. Es geht um euch, nicht wie eure Arbeit uns gefällt. Wir bieten euch Aufmerksamkeit und Zugehörigkeit und ehrliches Interesse. Und Kopfschmerzen beim Grübeln. Wir nicken nicht. Wir schmatzen beim Schmunzeln. Wir machen den Mund auf.

Die Generalprobe und eure darauffolgende Aufführung verbinden sich in unserer Wahrnehmung: Ein Wiedersehen als wären wir nie weggewesen. Wir werden euch treu. Ihr uns auch: Da ist ja endlich wieder der große Kaktus in der Ouvertüre. Und es liegt noch mehr in der Luft als beim letzten Mal. Wir sind schon euer Publikum, wir können es nicht mehr werden. Seid euch unserer gewiss. Und ich fiebere mit, als würde ich selbst da vorne stehen. Ich auch.

[Das oben mit dem ‘selbsteingeladen’ finde ich richtig geil.
Stimmt ja auch.
Ist das jetzt unser Schluss?
“Ich auch.” meinst du?
zum  Beispiel.
ja!

na gut
steht ein bisschen wenig über die produktion drin, aber ist auch ok. ich hab mich hinterher mit denen 2h hingesetzt und jede szene detailliert beschrieben und sie mit interpretationen zugeballert. Da wär ich gern dabei gewesen. tja, Zeitmanagement. Wir haben uns bei denen eingeladen und die haben uns noch am Tag vorher abgesagt, woraufhin ich vehement geboxt hab. Einfach hin. Sind ja cobras.
Lass mal nix mehr löschen, vielleicht nehm ich diese letzten Zeilen auch mit rein.
So ne Reaktion ist ja nie sauber, sondern immer auch wieder neu mit Absprachen verbunden. So wie wir heute. Man schreibt ja nicht einfach drauf los. Man einigt sich auf eine Form, manchmal auch ein Format vorher.
jetzt also ab in den blog damit?
ja!
biste jetzt fertig, im sinne von finger weg?]

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Eine Antwort auf WIR LERNEN UNS IM COBRAKONTEXT KENNEN UND TREFFEN UNS und aufeinander

  1. Laura sagt:

    Liebe Caro und Liebe Marja!
    Aijaijai! Ein fettes Dankeschön an euch! Zum einen, dass ihr uns unsere chaotische Art verzeiht! Wir haben uns den ganzen Probenprozess und die Cobrakommunikation selbst sehr viel strukturierter gewünscht und hatten am Ende doch zu viele Bälle zu jonglieren, als dass wir allem die gebührende Aufmerksamkeit und Sorgfalt entgegen bringen konnten. Deswegen und auch sowieso waren wir mega froh über eure Unterstützung! Alle Gespräche, die wir miteinander hatten, nach der Probe und der Preview, haben uns auf neue spannende Gedanken gebracht, uns ermutigt und inspiriert!! Drum sind wir saufroh, dass ihr so hartnäckig geblieben seid und uns cobramässig rausgefordert habt, den Kontakt aufzunehmen. Auch unvorbereitet. Die Gedanken zur Cobra spinnen sich weiter und Konkretes setzt sich fest. Wir haben richtig Lust, aufs Festival im Mai zu kommen und weitere Cobras kennen zu lernen und weiter zu spinnen, was die Schlange sein kann/ mag / soll… In diesem Sinne finde ich auch das Faltblatt sehr großartig, weil es die Unfesten des Netzwerks so gut beschreibt, weil so deutlich wird, wie wir selbst gemeinsam alles festmachen und doch wieder nicht fest haben wollen und wie gerade das es so interessant macht, eine Cobra zu werden und es nun zu sein und es aber immer noch weiter zu werden. und das fühlt sich grade so an, als würde es alles Sinn ergeben. Die Re-Aktion, die ihr geschrieben hat, trifft auf ne Art das, was wir auch so aus unseren Gesprächen raugezogen haben und auf eine weitere Art regen sich neue Gedanken und ich will tiefer hinein in diese Gedanken. Diese Gedanken sind nun ein Gemeinsames von euch und mir. Das soll weitergehen. Vielleicht schon heute Abend. Vielleicht bald auf dem Cobrafest. Liebe Grüße, #Laura

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