Vorteil Netzwerk

 05. März 2014, in einer Küche. Wanja und Laurin sprechen zwanzig Minuten über cobratheater.cobra.

W: Fangen wir direkt an: Wer bist Du und wie bist du auf cobratheater.cobra aufmerksam geworden?

L: Also, ich bin Laurin. Aus Bonn. Und ich bin zum ersten mal auf cobratheater.cobra durch Martin Grünheit aufmerksam geworden. Das erste mal ist tatsächlich schon ein bisschen länger her. Ich war 18 oder so, da habe ich einen Workshop bei Martin gemacht. Und da wusste ich noch nicht ganz was das ist. Dann bin ich nach Hildesheim gekommen, habe angefangen zu studieren. Habe auch angefangen, die ersten Produktionen zu sehen. Und später eine Regieassistenz bei Martin gemacht. Ich war also schon in einer cobraproduktion drin – es kam irgendwie von drei Seiten.

W: Wie nimmst Du gerade cobratheater.cobra wahr? Wie stellt es sich Dir dar? Was ist es für Dich?

L: Es ist ja ein loses Netzwerk. Wobei ich schon das Gefühl habe, es ist EIN Diskurs. Dass es sich in einem gewissen ästhetischen Rahmen bewegt. Jetzt gerade erst beim 100° Festival liefen einige Sachen, z.B. das Leonie Böhm Ding und es ist ein irgendwie ähnlicher Theaterzugang, wie etwa das, was ich bei Martin wahrgenommen habe. Eure Sachen auch ein bisschen. „Ma Ma Hu Hu“ war schon anders, das stimmt, aber z.B. dieses, was war es noch mal, Twilife! Oder vorschlag:hammer. Das ist ähnlicher Kram. Sonst… dieses Ganze. Auf dem Hamburger Festival war ich leider nicht, da hätte man Struktur und menschlichen Umgang noch mehr mitbekommen. Wie die Leute miteinander verbunden sind. Wie die verschiedenen Kerne verbunden sind. Etwa die Hildesheimer und Hamburger.

W: Du hast Martin mal eine Mail geschrieben, die habe ich auch bekommen. Und ich liebe Doppelfragen: Was stand in der Mail und warum hast Du sie geschrieben?

L: Ich habe versucht in drei Sätzen unser Projekt zu schildern. Wie der damalige Stand war. Es ist auch immer noch alles diffus. Aber eigentlich durch den Inhalt des Projekts, dadurch, dass New-Economy-Strukturen in ähnlichen Rahmungen funktionieren, wie cobra. Allein dadurch, dass es ein Netzwerk ist. Alles ist auf Projektbasis, nur lose Bindungen, die vielleicht den heutigen Kapitalismus auszeichnen. Alle sind lose Teilchen, die sich lose miteinander verbinden und möglichst unabhängig und flexibel sind. Und wir wollen erst mal drauf gehen und uns auch selber vermarkten, irgendwie. Versuchen, eine affirmative Haltung dazu einnehmen. Da bin ich, ehrlich gesagt, auf den Gedanken gekommen, dass das eine Möglichkeit des Vermarktens wäre, bei cobratheater.cobra zu sein. Rein opportunistisch. Weil ich schon halb drin war oder bin. In diesem Netzwerk. In der Logik dieses neuen Kapitalismus würde das Sinn machen.

W: Damit ich es verstehe, Du hast uns eine Mail geschrieben, weil Du zu cobratheater.cobra wolltest, was auch immer das heißt, den Ort gibt es ja nicht. Aber Du hast ja irgendwie gefragt… Oder hast Du etwas gefragt?

L: Naja, ob ich eine cobra bin. Weil ich das Prinzip schon kannte, dass Du dazugehörst, wenn Du mal bei einer Produktion dabei warst. Mit Martin hatte ich aber nicht großartig drüber geredet, weil ich nicht so wusste, ob ich das unter diesem Label oder in diesem Netzwerk machen wollte.

W: Jetzt schien es Dir günstig, Eure Beschäftigung darunter zu vermarkten.

L: Ja, das macht es größer. Finde ich. Wenn Du sagst, Marketing gehört zur Arbeit, zum künstlerischen Prozess, musst Du das ein bisschen konsequent durchdenken. Und dazu das Netzwerk nutzen. Unabhängig davon, dass ich es gut finde, in einem Diskurs zu sein, dass es auch künstlerische Vorteile haben kann. Sich darin zu bewegen.

W: Wie stellst Du Dir vor, Dich in einem Netzwerk zu bewegen?

L: Gute Frage eigentlich. Dass die schon gegebenen Strukturen Bewegungsraum bieten. Die Onlinepräsenz, die Festivals, die es gibt. Die cobrafestivals. Wo doch viel passiert? Sophie z.B. war in Hamburg und ziemlich begeistert davon. Von der Atmosphäre zumindest. Ist das aber noch die Frage?

W: Naja, wenn Du sagst Atmosphäre, ist das ein Anschluss an andere Leute?

L: Wobei ich hundertprozentig nicht weiß, wie ich das finde. Netzwerk ist ja irgendwie alles. Nur ein Modell, dass Du irgendwo drüberlegst. Auch die Universität ist irgendwie ein Netzwerk. Dass Du auf Leute triffst, die was ähnliches machen. Aber vielleicht schon mehr Erfahrung beim Machen haben.

W: Darum hast Du die Mail geschrieben?

L: Ja. Auch. Also, ich will nicht noch mal alles sagen, aber das hat auch mit reingespielt.

W: Es gibt ja diese Regel, dass jede Produktion, sich darum kümmert, eine Kritik zu Euch irgendwie auftauchen zu lassen.

L: Ich weiß.

W: Was wäre Deine Vorstellung davon? Was kannst Du Dir da vorstellen? Was wäre Kritik?

L: Da ist natürlich die Frage, wann das Jemand macht. Ob es erst zu einer Aufführung kommt. Ob es eine stete Kritik, die während des Prozesses läuft. Fände ich natürlich gut, wenn es dazu käme, nur ob sich das umsetzen lässt, ist die Frage. Wenn es prozessübergreifend wäre. Wobei es auch beim Schredder auch Mentoren gibt. Bei uns ist das Verena Lobert z.B. Ob es da noch jemanden braucht, weiß ich nicht. Fände ich gut, weiß aber nicht, wie die Gruppe dazu steht. Es ist nun mal unser erstes Projekt im größeren Rahmen und im Hildesheimer Kontext. Auch weil es mehr als ein mal gezeigt wird. Ich würde gerne alles prozessorientiert machen.

W: Warum ist Dir das wichtig, es gut zu machen?

L: Ich sage das, um ein gutes Produkt zu haben. Gerne möchte ich auch zufrieden damit sein. Wenn ich etwas mache, das kacke ist… Ich bin ein Typ, der sich gerne peinigt. Auch wenn die sozialen Situationen in Megastress umschlagen. Natürlich auch im positiven Sinne, um in so einen Flow zu kommen. Da ist es schon wichtig, ein Ziel zu haben, auf das man hinarbeitet.

W: Okay, das war eine Frage, die mich persönlich interessiert. Zurück zum Text: Was glaubst Du, das cobra zusammen hält? Was glaubst Du, das all die Leute verbindet, die da immer hingehen? Wie nimmst Du das wahr, wo Du anscheinend auch schon bei ein paar Veranstaltungen warst?

L: Zuerst ein sozialer Grund. Mein Gefühl ist, dass Ihr, der engere Kern, auch enge Freunde seid.

W: Wer ist das?

L: Du, Martin, Gesine, ich kenne die zwar alle nicht. Eigentlich nur Dich und Martin. Jedenfalls die vorschlag:hammer-Menschen. Dann noch Jule. Ihr habt das ja gegründet damals. Was war noch mal die Frage?

W: Was die cobra zusammenhält.

L: Wahrscheinlich, dass die Leute zusammen arbeiten und sich den Kram der anderen angucken. Dass aus dem gemeinsamen Arbeiten, soziale Bindung entsteht.

W: Warum braucht es aber das Label? Das machen wir ja eh. Arbeiten, sich im Studium kennen lernen. Rumhängen. Warum sollten wir aber cobratheater.cobra machen?

L: Man labelt sich. Es gibt schon eine Außenwahrnehmung. „Ahh, das ist jetzt von cobratheater.cobra – die machen geile Sachen.“ Das habe ich ungefähr genau so gehört. Mit Martin habe ich auch darüber gesprochen, dass es ein Image gibt. Er verneint das zwar, auch weil er keine Vorteile davon hat. Aber ich finde schon, dass es zuerst als EINS wahrgenommen wird, obwohl es das nach innen gar nicht ist. Und diese Bekanntheit, direkt einordnen zu können, das leistet es schon.

W: Du meinst, es steht für eine bestimmte Qualität, Form und Stil?

L: Ja, was eine Marke schafft. Verspricht ein Produkt und macht Werbung dafür. Leute können sich etwas vorstellen, was sie davon erwartet.

W: Ist das paradox, wenn es eigentlich für alle offen ist?

L: Ja, aber das passiert, wenn du ein Label machst. Aber es ist auch nicht für alle offen. Wenn sich jetzt jemand, keine Ahnung, der Theaterwissenschaft in Erlangen studiert hat, keinen Kontakt zu Euch hat, und jetzt irgendwas machen will, mit diesem Netzwerk. Das kann ich mir nicht vorstellen. Du musst ja gearbeitet haben, in einem gewissen Kreis künstlerische Arbeit gemacht haben.

W: Das ist der Formalismus, den wir uns ausgedacht haben. Wenn ich aber Peter aus Erlangen bin, warum kann ich nicht einfach sagen, es gibt auf der Homepage den Text, dass alle den Namen nutzen können. cobratheater.cobra wird zwar immer mehr, wie es mir erscheint, aber es nutzen nicht alle. Könntest Du jetzt noch mal kurz sloganhaft sagen, was Stärken und Schwächen des Labels sind?

L: Das ist eine merkwürdige Unterscheidung. Aber es wird sich niemand das Label annehmen, wenn er dazu keinen Kontakt hatte. Weil er dann fremdbenahmt ist. Eine Stärke ist die Außenwahrnehmung, dass es bekannt ist, dass Du mit anderen Leuten mitreitest. Mit den anderen auf einer Welle mitzureiten, die schon vor Dir gearbeitet haben. Du musst Dich dann einer Kritik stellen, die wird auch veröffentlicht, aber das bleibt auch eher in dem Rahmen. Die wird wohl auch wenig im Außen wahrgenommen.

W: Ich frage mich, warum ich Dich das eben gefragt habe. Fühlst Du Dich eigentlich willkommen? Hast Du das Gefühl cobratheater.cobra braucht Euch? Oder so?

L: Unwillkommen nicht. Aber gebraucht fühle ich mich auch nicht. Der Schritt kam von mir. Aus der Erfahrung mit Martin, ein paar Monate danach. Es fragt ja niemand: „willst Du das cobra nennen, was Du da machst?“

W: Würdest Du Dir das wünschen?

L: Wäre nett. Würde es vielleicht vorantreiben.

W: Nennt Ihr Euch denn jetzt cobrakapitalismus.cobra?

L: Da müssen wir noch gucken, wie wir es genau machen. Beim Schredder haben wir #massentauglich angegeben, was wir in einer Nacht entschieden haben. Macht ja auch was ähnliches, das Hashtag. Will ein Netzwerk erreichen. Müssen wir jetzt gucken, wie wir es genau benennen. Dass wir so etwas machen wie „ist Teil von cobratheater.cobra“ oder wenn so Aufkleber machen, dass wir das Logo noch mit drauf packen. Aber cobra#massentauglich.cobra eher nicht. Wir haben noch nicht so groß drüber geredet. Erst heute Abend kommen wir als Gruppe mal wieder über längere Zeit zusammen und da werden wir auch das besprechen. Vielleicht machen wir es so wie vorschlag:hammer: „…ist Teil des Netzwerks cobratheater.cobra“.

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