noch 8 Wochen bis zur Premiere – der erste Probentag aus der Sicht von Lukas V.ögler

10.01.2013 – noch 8 Wochen bis zur Premiere – der erste Probentag aus der Sicht von Lukas V.ögler

Den Aspekt des „britsh-enlish“ nicht unterschätzen, die Form scheint so hinreißend, da ist man selbstverständlich von sich selber zu Tränen gerührt, man könnte meinen die Form dieser Sprache sei zuerst auf die Erde gekommen und ihr Inhalt wär nur ihre hässliche Nachgeburt die es schleunigst im Garten zu vergraben gilt. Vielleicht muss es noch nicht mal die englische Fassung sein, vielleicht reicht es zu behaupten es sei die englische Fassung, vielleicht geht’s nur um british-englishen Gestus. Auf englisch sprechen aber es ist gar kein Englisch. Sich als Profi in die Scheiße reiten, aus der Scheiße Gold machen, den Zuschauer all das Gold in die Taschen stopfen und ihn nach Hause schicken damit er zu Hause feststellen muss das es doch nur Scheiße ist die er nun selber zu Gold machen muss.

Ich bin noch nicht erschienen ich bin noch ein loses, in Gedanken versunkenes Mobile aus Stuhl und deshalb Ja Julian, ich will mich von Dir tätowieren lassen, Deine Prägung auf meinem Körper durch die ich die Welt neu erlebe und die Welt mich, erst durch die Verletzung und ihre grausamen Spuren auf meinem Körper bin ich. Die Tätowierung mein Wiederstand

Es ist zweidimensional aber eigentlich ist es dreidimensional

Ich nehme erst einmal alles selbstverständlich hin, Kostüme, Stück etc…aber ich identifiziere mich nicht selbstverständlich damit. Ich probiere es wie eine Maske. Alle probieren, entfernen sich ein wenig von sich selbst und nähern sich gleichzeitig damit auf etwas zu was sie auch sind aber noch nicht von sich kennen. Und weil alle probieren entsteht dieses flüchtige Bild, ein Provisorium, alles ist provisorisch, Du, Ich, usw….alles provisorische ist irgendwie interessant.

Nach der großen Zurückhaltung haben dann doch alle plötzlich gefressen. Der ekelhafte drei Kilo Lachs, weggefressen und entfernt. Die Esstischlampe leuchtet auf das noch etwas feuchte Holzbrett.

Was war das für ein Moment des Zugriffs wo man doch vorher angeekelt um das Vieh herumschlawenzelte? Brauchte es die Position unter der Esstischlampe? Brauchte es ein Tischgebet, brauchte es die Gewissheit das alle mitmachen würden? Mögen wir der Fisch unter der Esstischlampe sein, möge das Publikum sich vergessen und sich uns einverleiben, mögen wir etwas geschehen lassen.

Er: (zu sich, zu einem frühen Zeitpunkt)

ich werde sie eines Tages ausziehen, eines Tages werde ich sie ausziehen und meine Stimme gegen ihren Körper erheben….vielleicht in bristish-english, vielleicht auch nicht, wer weiß

Er: (zu einem geeigneten Zeitpunkt)

krass ich guck Dich an

Sie: ja ich finds auch krass das Du mich anguckst

Er: krass das ich auf Dich zukomme

Sie:

Ich finds krass wie Du hier jetzt bei mir stehst

Er: ja, find ich auch krass

Sie:

Es ist krass zu sehen mit welcher selbstverständlich er den Reißverschluss meines Kapuzenpullovers aufmacht und mir das Ding einfach auszieht und auf den Boden fallen lässt

Er:

Du lässt das einfach geschehen, das find ich krass

Sie: krass das Du mich vermutlich gleich fickst

Er: Ja ich finds auch krass das ich dich gleich ficke

Sie: wie krass sanft meine Haut ist findest Du nicht auch?

Er: doch, echt krass wie sanft die ist, echt, überhaupt, ich finds krass wie schön sie ist

Ein Andere von vielen:

(der von der Seitenbühne zugeschaut hat geht zu jemanden in der ersten Reihe)

er sagt „überhaupt, er fände es krass wie schön sie sei“

Er: (zum Publikum) was ich richtig krass finde ist, daß ihr mir dabei zuschaut

Sie: aber ich finds auch krass dem Publikum dabei zuzuschauen wie es uns zuschaut………………….……………………………………………………………………………………………………………………………………

und so weiter, auf jeden Fall ist irgendwann nicht mehr wer jetzt eigentlich Publikum ist und wer performed, weil alle sich krass lieben auf der Bühne und im Zuschauerraum.

Gibt es hier viel zu lernen, lohnt es sich, und soll es das?

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