Nach cobradiskussion.cobra II

Liebes Festival, liebe Leute, die Ihr leider nicht an dem cobrafestival.cobra II teilnehmen konntet oder wolltet,
hier ist eine Mail, die ich am Dienstag nach dem cobrafestival.cobra II an einige Leute geschickt habe. Leute, deren Mailadressen ich zur Verfügung hatte. Jetzt hier:

vielleicht wusstet Ihr es nicht so genau, aber am vergangenen Sonntag gab es das „cobrafestival.cobra II“. Es war toll, toll, toll. Vor allem, weil es in Kooperation mit der „Universität der Nachbarschaften“, und deren Räumlichkeiten, statt finden konnte. Sowie dem „Rialto-Kino“. Alles in Hamburg-Wilhelmsburg. Es gab eine öffentliches, vielköpfiges Gespräch, Installationen, eine szenische Lesung, eine (Nicht-)Kochshow, eine Reihe Kurzfilme, einige Sekunden manipuliertes 16mm-Filmmaterial und eine abendfüllende Totaltheaterinszenierung. Anschließend MONSTERPARTY in Tills Werkstatt, direkt umme Ecke.

Einige Tage zuvor war cobratheater.cobra aufgefordert, sich im „Hotel?“ der UdN zusammen zu finden, um sich gegenseitig Workshops zu geben, die Installationen und Inszenierungen vorzubereiten und ganz allgemein und praktisch der Festivalausgangsfrage nachzugehen „Wie zusammen leben“. In all dieser sehr dichten Zeit sind sehr viele Sachen passiert und alles war wichtig, was ich hier und jetzt aber nicht erzählen kann. Wie das z.B. gelingen könnte, ist noch zu überlegen. Dazu aber weiter unten mehr. Es gab nämlich ein Vorkommnis, von dem ich jetzt berichten möchte. Eine interne Debatte zu Fragen der Organisation von cobratheater.cobra (anders als beim ersten cobratheaterfestival.cobra in Hannover). Hier jetzt, was ich von Freitag (?) abend behalten habe. Erinnerungen werden zu Literatur. Das werde ich auch auf der Homepage veröffentlichen.

cobragespräch.cobra II

– Homepage
Der offizielle und fachlich inkompetente Webmaster der Homepage berichtete davon, wie absolut unfertig die Homepage sei. Deren Auftritt wurde zwar als sympathisch-niedrigschwellig eingestuft und in ihrem Charakter als Materialfundus und Informationsanbieter gewürdigt. Doch alles in allem scheint die Homepage wenig elegant und nicht eindeutig auf nichtcobra-Publikum hin gedacht zu sein. Was sich beispielsweise in dem etwas unübersichtlichen  Blog äußert. Designfragen kamen nicht auf. Allerdings der Wunsch einiger, die sich schon länger auf der Homepage verbreiten, dass viel mehr Leute sich für deren Gestaltung und Pflege zu interessieren anfingen.

Oft kam zur Sprache, dass weitere Möglichkeiten zur Vernetzung und Diskursführung vonnöten seien. Dem kann wohl ganz objektiv zugestimmt werden. Ebenso der Annahme, die Homepage könnte uns dabei helfen. Vorschläge für noch zu erstellende Rubriken/Funktionsbereiche:

. Eine Art Kartei, wo Leute reinschreiben, für welche Art Arbeit/Tätigkeit/Performance sie angefragt werden möchten. Die Idee dahinter ist, „Linkedin“ den Rang abzulaufen
. Eine Art Forum, in welchem einerseits Konzepte vorgestellt und bei Bedarf diskutiert werden können. Außerdem Antragspolitik als Thema. Eingeschickte Anträge auf Wunsch hin veröffentlichen können. Egal ob abgelehnt oder angenommen. Bloß um eine Idee davon zu bekommen, wie Fördermechanismen greifen, wie alle so schreiben, vielleicht auch gemeinsam Antragsschreiben gelernt werden kann. Kurz: Sich gegenseitg zu helfen.

Aus diesen beiden Ideen spricht die Frage, ob die Homepage in Zukunft in einen internen und öffentlichen Bereich aufgeteilt werden sollte. Dieser Gedanke wurde begleitet von dem Einwand, dass eine solche institutionalisierte Unterscheidung von Innen und Außen ein ausgeprägt inhaltliches Moment darstelle. Eine Setzung, die strukturbildend für cobratheater.cobra zu verstehen sei.

– Ausrichtung von cobratheater.cobra
Wie wichtig ist Transparenz in der eigenen Entwicklung (und wie kann diese möglichst vielstimmig erzählt werden)? Müssen die mitlaufenden impliziten Annahmen zu Arbeitsorganisation, Philosophie und Welt deutlicher re-thematisiert werden? Ist die sog. „Selbstdefinition“ überhaupt ausreichend annehmbar formuliert? Und wie ist eine Balance zwischen Professionalisierung einerseits und einer weiteren Offenheit als Struktur denkbar? Wie kann cobratheater.cobra weiterhin als konstitutiv unabgeschlossen gedacht werden, obwohl wir doch schon so eine nette diffuse Gruppe sind. Wie kann das Prinzip cobra noch weiter beworben werden, damit wir noch mehr Leute werden und wir noch mehr Probleme und Fragen zu stellen haben? Wie könnte Werbung als Selbstzweck, zum weiteren Anwachsen der Verbindungen und Personalsituation zu leisten?

Die cobra distanziert sich von sich selbst. Diese Institution wird gut geheißen. Weil sie Austausch über Arbeitsweisen und konkrete Arbeitsprobleme zu fördern vermag. Und allgemein eine Kultur der Diskussion verspricht (und sogar teilweise auch einlöst) Allerdings kam noch zur Sprache, was ein generelles Problem der cobrakritik.cobra sei. Durch fehlende Zeit (sprich: Geld) käme es nicht immer zu angemessen konzentrierter Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Gegenstand. Welche Formen der cobrakritik.cobra sind noch denkbar? Was fehlt noch? Muss in jeder cobraproduktion mit Budget eine Stelle von 50-5000 euro für eine angemessene cobrabesprechung verpflichtend werden? (Nachtrag: sollte das nicht das nächste Thema eines cobrafestival.cobra sein?)

Auffällig war, dass von cobratheater.cobra als einer offenen Familie die Rede war. Andere sprachen von cobratheater.cobra als ein Netzwerk ohne verbindliche Gemeinsamkeiten zwischen den einzelnen Beteiligten. Die Unterschiedlichkeit beider Beschreibungen resultiert wohl aus den unterschiedlichen Nutzungsweisen und Erfahrungen mit dem Netzwerk. Während cobratheater.cobra einerseits als eine lose Verbindungsmöglichkeit mit dem Potential des produktiven und/oder geselligen Beisammenseins erfahren wird, scheint die cobra andererseits auch die Differenz der Einzelnen zueinander im Vordergrund zu stehen; Differenz als Bedingung der Möglichkeit zur temporalen Kooperation oder Kritik. Und ob in dieser Kritik die Möglichkeit besteht, immer schon anzunehmen, wir seien bereits miteinander im Gespräch und müssten nur weitermachen und intensivieren. Weil das irgendwie-ein-Netzwerk-sein, ist keine ernstzunehmende Grundlage für irgendetwas oder gar Action.

– Festivalgedanke, Austausch, Frequenz
Ich habe die Stimmung während der Vorbereitung und des Präsentationstages, trotz Fehler, Ungenauigkeiten, Differenzen als positiv und froh erlebt. In der Diskussion wurde mehrmals betont, für wie wichtig Treffen und Austausch empfunden wurden. Wichtig, da aus dem sehr abstrakten Netzwerkgedanken sehr schnell situative Potentalität zu werden vermag. Potential, das die Organisationsform en masse bietet, Das verlangt nach Begegnung, Gespräch, gemeinsamer Bewegung. Sowie der Planung und Durchführung eines nächsten Anlass, dass wir uns wiedersehen und neu kennen lernen. Wer organisiert das? Wo? Wann kommen wir nach Gera, Thüringen? Wenn nichts mit cobratheater.cobra gemacht wird, bleibt es die Privatidee von ein paar Halbasozialen. Wir wissen nicht, was cobratheater.cobra ist, bis wir es ausprobieren und uns gegenseitig von unseren Zwischenergebnissen berichten.

Fragen, die irgendwie nicht in mein Schema gepasst haben

– Ist der Name cobratheater.cobra durchzuhalten? Muss sich nicht, konsequenterweise, jede (Kunst-)Produktion eine eigene cobraidentität.cobra zurechtlegen? Gerade mit Hinblick auf parallele Bewerbung bei Festivals? Und ist das nicht auch bezüglich der Fragen nach (steuerlicher) Abrechnung von Vorteil?
– Wie geht das jetzt genau mit Abrechnung? Wie mit einer GbR? Sollte cobratheater.cobra ein Verein werden? Wie geht all das?
– Sollte die Formulierung „in cobration mit …“ zu einer Standardvorlage werden? Als Kompromissformel für diejenigen, die bspw. mit größeren Trägern kooperieren – Stadttheater o.Ä.
– Wie gehen wir möglichst professionell mit der Situation um, dass einige wenige cobragruppen in den gleichen Förderungsbezirken Anträge stellen? Wie ist zu vermeiden, dass die vielleicht etwas verwirrende Namenssituation nicht zu Benachteiligungen führt? Muss jedem Antrag auch eine Selbstdefintion von cobratheater.cobra mitgegeben werden? Andere Ideen? Und auch hier wieder die Frage, wo so etwas kommuniziert werden kann.
– Wie kann das Festival im Nachhinein ausgewertet und besprochen werden? Schreibt jemand aus der Publikumsfraktion eine festivalkritik.cobra? Und überhaupt:

Wie weiter?

Kommunikation soll zumindest einfacher zu leisten sein. Die Intensivierung der Beziehungen sollte doch wohl möglich sein. Da geht doch noch was! Also:
1. Leitet die Mail an diejenigen weiter, von denen Ihr denkt, es könnte sie interessieren, oder auch nicht. Antwortet, falls ich was vergessen oder Scheiße geschrieben habe, aber lasst doch am besten diese und alle kommenden Mail als history hier unten stehen.
2. Wer irgendwie das Gefühl hat, zu wenig Mails zu bekommen, schreibe mir bitte eine Mail, um in die (bald ganz neue) MAILINGLISTE zu kommen.
3. Wer gerne ZUGANGSDATEN für die Homepagebearbeitung haben möchte, schreibe mir bitte.
4. cobratheater.cobra ist auf TWITTER. Wer dafür Zugangsdaten haben möchte, schreibe bitte: karten@cobratheatercobra.com
5. cobratheater.cobra ist auf INSTAGRAM. Davon habe ich keinerlei Ahnung, werde es mir bald aneignen, wer sich ebenfalls interessiert, soll mir bitte schreiben.

Ansonsten bleibt mir noch Julia Riedler zu gratulieren, die einen Preis für ihre Schauspielkunst bekommen hat, herzlichen Glückwunsch, liebe Julia, lass es Dir gut gehen, ab jetzt wird nur noch genossen!

Es war und wird eine schöne Zeit mit Dir, Julia, mit Dir, cobrafestival.cobra II, mit einfach Allen und wir können jetzt schon wieder mal sagen, rufen, rappen, es hieße schon wieder für uns:

After the show it’s the afterparty, then,
After the party it’s the hotel lobby, then
After the Belve then it’s probably Cris,
And after the original it’s probably this
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