Hauptsache Frei – Hauptsache Dabei

OK! ZEIT für HAUPTSACHEZITIERT – zur Diskussion über Arbeitsverhältnisse und das neue Festivalformat: Hauptsache Frei der freien szene der freien und hansestadt Hamburg
Es folgt Text; wir denken, dass es sich lohnt, diesen bis zu Ende zu lesen:

HAUPTSACHEDABEI sagt:“… wir die Entscheidungen des Festivals zur Verteilung der knappen Gelder sichtbar machen wollen: Ein vielversprechendes Begleitprogramm mit Podiumsdiskussionen und kostenlosen Workshops für alle wird finanziert, ebenso werden weitere Gelder für einen öffentlichkeitswirksamen Preis akquiriert. Das ist nicht nachvollziehbar, wenn man nicht zuallererst die auftretenden Künstler_innen angemessen entlohnt, mit denen ein Festival steht und fällt. Auch auf unseren Vorschlag, weniger Produktionen (10-15 sind geplant, teilweise 3-5 an einem Abend im selben Theater) zu zeigen, die dann ausreichend geprobt und angemessen entlohnt werden, wurde nicht eingegangen.“
https://hauptsachedabei.wordpress.com/

HAUPTSACHEFREI antwortet darauf: „…Ausgestattet mit transparenten und einheitlichen Teilnahmebedingungen (siehe Konditionen), einem vielseitigen und qualitativ hochwertigen Programm und mit diversen Rahmenveranstaltungen, in denen sowohl eine gemeinsame Grundlage für eine politische Stärkung, als auch das alltägliche praktische Agieren und Schaffen erarbeitet wird, kann Hauptsache Frei einen wesentlichen Beitrag leisten.“
http://www.hauptsachefrei.de/hauptsache-diskursiv/
Kommentar und diskursanalyse? von cobra:
kann leisten? muss leisten!

Das Argument der Transparenz (=die Befriedigung aktueller Tendenzen eines gesteigerten Kontrollbedürfnisses verursacht durch die sich veränderten technologischen Bedingungen?) vs. das Argument der prekären Arbeitsverhältnisse (=Bedürfniss nach besserer/gerechterer/angemessener Bezahlung)?

Quantität statt Qualität
HAUPTSACHEVIEL um in einer möglichen Zukunft politisch mehr Interessen zu vertreten gegenüber der Kulturbehörde HH? *auch wenn betont wird, das Qualität wichtig ist, so leuchten uns die Darstellung von HAUPTSACHEDABEI ein: statt 10-15 Produktionen, 3-5 adäquat bezahlten Produktionen einzuladen ein. Diese Bedingungen begünstigen oder führen ganz unweigerlich zu entweder schlecht geprobten Performances oder zu Selbstausbeutung zum Preis der Sichtbarkeit.

vs.

HAUPTSACHEWENIG dafür gut geprobt, ästhetisch anspruchsvoll, dafür zwangsläufig stärker kurartiert (eignet sich dann vielleicht weniger für eine Vernetzung, weil mehr ausschließt? – vielleicht, vielleicht auch nicht; in jedem Falle wäre es: weniger prekär?)

Aus den verschiedenen Standpunkten ergeben sich zwei völlig verschiedene Festivalkonzeptionen, die so wohl nicht vereinbar sind. Die Angestoßene Diskussion über Arbeitsverhältnisse von Kunst und Kulturschaffenden wollen wir unterstützen und forcieren. Wir denken, das jenes Statement des Festivals zu wenig für die dringend zu führende Diskussion über die Arbeitsverhältnisse ist.

Wir wünschen uns von Seiten der Macher*innen von HAUPTSACHE FREI mehr Inhaltlichkeit in der Diskussion und finden die Stellungnahme des Festivals zu undiffernziert und damit HAUPTSACHE-NICHT-DISKURSIV. Viel mehr versucht es über Inhaltslosigkeit und Rechfertigungsrhetorik die Strategie der Toleranz und der damit enstehenden Vereinnahmung für ihre Zwecke.

Das was HAUPTSACHEDABEI da anspricht, betrifft alle Kunst und Kulturschaffenden. Und im Prinzip verläuft die Trennlinie nicht zwischen Hauptsachefrei und hauptsachedabei, sondern zwischen der Kulturpolitik in HH und deren Möglichkeiten/Gestaltungsabsicht und Wille und den Kunst und Kulturschaffenden. Die Kulturbehörde würde wahrscheinlich die Trennlinie an den Senat delegieren und dieser an die wirtschaftliche Gesamtsituation der Stadt und diese an die Situation der Welt und dort gäbe es doch schlimmere Probleme als arme Kunst und Kulturschaffende. Also: Bedingungsloses Grundeinkommen von 1000euro einführen. Dann wären die Konditionen von Hauptsachefrei ein zusätzliches Weihnachtsgeld und wahrscheinlich zu akzeptieren, weil keine Existenzgefährdung verhandelt werden müsste bzw. würde es den Preis für geistiges Eigentum mit Selbstverwirklichung drücken.

Lasst uns eine neue Intiative „Kulturschaffende (und Weltbürger*innen unabhängig von Nation Sprache Geschlecht und Sexueller Orientierung) für eine Bedingungsloses Grundeinkommen“ (mögl. kürzel KfBG) gründen! und einen solidarischen Generalstreik aller Kunst und Kulturschaffenden organisieren! wer dabei ist schreibt an karten@cobratheatercobra.com Betreff: KfBG (aus ermangelung einer besseren emailadresse)

Zu den Konditionen: wir kritisieren die Aufschlüsselung der Kosten für Wiederaufnahmen: pauschal und gestaffelt nach Anzahl Darsteller_innen pro Produktion:
1-2: EUR 100
2-4: EUR 200
ab 5: EUR 300
(das heißt eine Person hat bei einer angenommenen (völlig unrealistischen, aber einfacher zu rechnenden) Stunde Arbeit 100 euro, während 4 Personen für die gleiche Stunde bis zu 50 euro, allerdings 5 Personen 60euro für die gleiche Stunde bekommen? #wieerklärichdasmeinermatheundwirtschaftundRechtlehrer_in

weiterführende LINKS

www.hamburg.de/contentblob/3425334/data/potentialanalyse-freie-szene.pdf
http://www.suhrkamp.de/buecher/die_technologische_bedingung-_29603.html

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2 Antworten auf Hauptsache Frei – Hauptsache Dabei

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