Der zweite Tag

11.01.2013 – immer noch 8 Wochen – Julia Riedler fasst die zweite Probe zusammen

Lea: die Buehne ist die Buehne ist die Buehne ist die Buehne. Wo ist sie noch? Wir sagen ja: Auch dort. Auf die Buehne wird von zwei Seiten geschaut. Und die Zuschauer koennen Zuschauer anschauen. Und machen sich gegenseitig zur tragischen Figur im Theater. Eh klar, solange Anne nicht glaubt, dass sie gespiegelt wird.
Ist das alles also schon Prosperos Insel oder machen wir sie dazu? Wer macht sie dazu? Die Zuschauer. Auf Schollen. Sind die Schollen fuer Zuschauer die Schollen sind die Schollen sind die Schollen? Vielleicht in einer  ausgedachten geometrischen Form. Oder auf einer bestimmten Hoehe. Wie geil waere es, wenn man nach unten, runter auf die Buehne, schauen muss. Aber wie geil auch, wenn sich direkt vor einem eine Wand erhebt. Schwarz. Groß. Und dann kommt noch eine Wand von oben. Noch schwärzer. Noch größer. Eine andre Gegend der Insel.

Der Sturm. Uebersetzt von August Wilhelm Schlegel. Herausgegeben von Miroslav Klose.
Fängt jetzt die Geschichte an? Ich glaube, sie interessiert mich nicht. Ich finde diese ganze Inselnarration langweilig. Ich erinnere mich als ich das zum ersten Mal alleine gelesen habe und diese beschränkten Figuren gesehen habe. In diesem nassen Hollywoodregen. Ob Prospero oder Prospera, es ist ja egal. Ich will nichts von dir.
Wir lesen das Stück und lassen Alexanders Idee, jede Figur jeweils von einem Leser sprechen zu lassen, weg. Wir lassen erstmal weg und nehmen uns viel Zeit. Das Finanzamt und der Verdienstorden haben in der Lücke Zeit zu werden. Ariel kommt. Der Stab. Die Scheidwand. Wir lesen und verführen uns dabei. Ich denke, ok, aber wann fängt es an. Mir ist langweilig. Die Geschichte, sie müsste doch gleich kommen. Und dann geht es rückwärts. Anne liest „zu träge säh ich und Rücken! Den bräch Sehnen meine. Ich sprengt eh köstliches Geschöpf. Nein.“ Und Julien denkt sich immer denken günstig und sagt khjdgn aiurgnoraiwgnnn naeirwgm lairennoia erhnoirg mmpore mgpme rigmno reigm npiregpin rgpm irrgnmpriewgnj.
Irgendwann glaube ich, dass es das ist. Ich wurde verführt. Gott ist tot, wen interessiert seine Geschichte. Die Sprache ist jetzt ganz wo anders, nicht mehr im Mund von Ferdinand, Mitte zwanzig, blond, blauäugig. Natürlich ist es nicht schon von vornherein klar, wie das alles klingen wird. Wer weiß, was Atlantis wirklich war? Wenn ich das wissen will, ist der Atlantis tot, sagte der Rudolph-Steiner Professor zu Julien, bevor er auf die Probe kam. Ich habe eigentlich ja auch keine Lust mir Atlantis beschreiben zu lassen. Ich will ihn selbst beschreiben. Ich weiß es ja eigentlich schon. Das weiße Blatt, es ist schon beschrieben, wenn ich drauf schreibe, kratze ich das hervor, was darunter liegt, sagt Martin. Mein Atlantis hat krasse Farben; blau, gold. Und ist ein Nichts. Wovor ich Angst habe. Das erzähle ich Julien, als wir nachhause gehen und er sagt ja. Ein Nicht-Ort. Anwesend durch seine Abwesenheit, denke ich, alles passt zusammen. Wenn wir Menschen sterben, wenn unsere Idee von Welt wegbricht, wenn alles weg ist, dann gibt es vielleicht auch wieder den Ort Atlantis. Oder den Sturm. Immer noch Sturm, Frieder. Schreib doch ein Lied darüber.

Es bleibt der Rausch. Die Intensität. Sie wird immer stärker. Ich wurde verführt von der Populärwissenschaft und glaube jetzt, ich wäre Wissenschaftlerin. Befähigt mich zu vergessen, auszurasten, zu tanzen, zu tanzen, zu tanzen. Es hat mit mir zu tun.

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