journal 2

Ich finde es schön, dass hier zu Anfang keine Einleitung steht. Was das soll, von wo aus beginnen, keine Begrüßung, keine Agenda. Es gibt nur unsere private Erinnerung an zwei Gespräche, die wir mal geführt haben und in denen es um Notizen zur Arbeit ging, was auch immer da sein könnte und bis wohin. Und diese Frage wird nicht gelöst und kein Modell für irgendetwas Kommendes sein. Worauf und wie dieses Weblog alles antworten könnte, ist glücklicherweise egal. Weil es aber Schreiben ist, braucht es doch das Verantwortungsgefühl und die Disziplin, damit wir uns, wenigstens wir, weiter interessieren.

Glanztaten. Ein schlimmer Titel, der mir gerade einfällt und sehr gefällt und weiter nervös macht, weil er andeutet, worum es mir so ginge: Der Genuss von Un- oder Inkonkretion, Urlaub von Zielvorgaben. Die Sache vorerst offen lassen, genau den richtigen Ton finden, nur noch das Richtige sagen. Tief zielen im Schreiben, Hemmungen abbauen, aber nie die Letztkategorie Entertainment aufgeben. “Notizen zum Arbeiten”, ja, mal gucken.

Leider habe ich keinen richtigen Beruf, nur eine Anstellung in einer Kneipe. Und das ist wohl am ehesten mein Metier: Bedienung. Darin bin ich nicht sonderlich gut, oft gedankenverloren oder überfreundlich und ich sehe keinen Anlass, das zu ändern. Mich mehr anzubieten. Also: ich die Servicekraft. Eine Kraft aufbringen, die Mindesthöflichkeit und Versorgung mit Bier und Currywurstpommes sicherstellt. Dafür gibts Geld und Stories.

Nach der Wende mit dem Trabanten nach Braunschweig gefahren. Erst mal ein Clausthaler an der Autobahnraststelle gekauft, vom ersten Westgeld. Hat nichts gebracht, war scheiße.

So was. Das ist schön und frei von Glücksversprechen. Und ganz oft volltraurig. Betreutes Trinken, sagen die Kolleginnen, die das seit Jahren betreiben und bei anderer Gelegenheit zu Beschreiben sind.

Es gibt also mindestens eine andere Art von Tätigkeiten. Die im Modus des Versuchs und nicht immer im Zusammenhang mit Geld stattfinden, Um die Nervosität geringer zu halten, ist ein guter Vorschlag. Es fängt eigentlich immer an mit Rausgehen, irgendwohin. Meistens unterhalte mich dann über etwas, Theater oder Probe. Zur Kommunikation bewegen, hingehen. Es sind Anlässe, von uns allen immer neu geschaffen. Nächste Woche bin ich in die VHS eingeladen, mit zehn jugendlichen Jungs Theater zu machen. Ich werde mich Ihnen nett vorstellen, sie bitten, sich vorzustellen und dann im Verlauf immer mehr Auszurasten. Nicht im Sinne von Vandalismus, ist zwar auch möglich, aber mein Vorschlag wird sein, sich zu bewegen und dabei zu begegnen, überraschen, lachen, erzählen, stehen, gucken, hören, nichtwarten, nichtreden, wachsein, irgendwann kurz keine Kontrolle haben, dann wieder gucken, komisch, nachdenken.

Das ist unkonkret, weil es mir ein wenig unangenehm ist, Proben schreibend zu fantasieren. Überhaupt versuche ich so viel prosaische Überlegungen, wie die Körper sich anziehen und abstoßen und Schweiß auf den Boden tropft, zu vermeiden. Ich habe da so eine Schriftfeindlichkeit entwickelt. Was wahrscheinlich mit den Zwangsdarstellungen, die im Subventionsbusiness erwartet werden. Denen ich mich, auch gerade jetzt, auszusetzen gedenke. Anträge. Wie kann aus der Schreibablehnung endlich die große Lust werden, um was sollte es sonst gehen, weil es die einzige Kategorie ist, unter der sich die anderen Tätigkeiten und Arbeiten zusammenfassen lassen, oder? Wie sollte ich mich sonst motivieren, Scheiße zu schreiben, weil es ja Scheiße ist, über Theater als interessant oder interpersonell bedeutend zu schreiben. Also, ohne geldhaften Vorschuss, die Theaterprozesse lustvoll und auf interessant erwartbar zu machen – Prozesse von denen ich mir verspreche, dass sie erfüllend sein werden, die ich aber nur megawiderwillig als Antrag formulieren kann.

Und das ist natürlich der Grund, warum ich hier gerne mitmachen möchte, um dieses Einzelgespräch mit und im Text zu vermeiden. Sondern ein streng loser zusammenhängender Polylog, oder Blog, oder Log, das bald, bald ganz präzise erzählen wird. Ich stelle es mir gerne vor. Von unserer Arbeit an Zeitgenossenschaft, ohne Ziel, vorerst, außer weiterzuschreiben um weiterzulesen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *