Als wären zwei nackte Körper da – Besprechung zu „Let Me Be The Object Of Your Desire“ von cobragianni.cobra

Auf dem Hof, auf einer Mauer.

Wanja: Okay, dann geht es jetzt los. Wie heißt denn, was Du da vor hast, Dennis?

Dennis: Es heißt „Let me be the object of your desire“

W: Versteh´ ich.

Golschan: Versteh´ich. Ich glaube aber, dass ich noch gar nichts darüber wusste, anders als Du, Wanja, der Du schon mehr Information hattest. Ich wusste also nicht, was mich erwartet und war dann entsprechend unvorbereitet, als ich die Türe öffnete, hätte eigentlich noch einen Tacken länger warten müssen, weil ich noch mitbekommen habe, wie jemand so ganz schnell weggehuscht ist, als ich die Tür öffnete. Jemand rennt zu seinem Platz und ich wusste „jetzt gehts los“. Ich kam rein und dort war eine Kamera auf einem Stativ, in einer bestimmten, in einem bestimmten Abstand zu einem Pelz, der auf dem Boden lag und einem unbekleideten Dennis, der auf dem Pelz lag. In einer Pose, länglich ausgerichtet, mit großem Spiegel dahinter. Auf meiner, der Seite der Betrachterin, war noch ein Scheinwerfer, der für die richtigen Stimmung gesorgt hat.

W: Auch auf einem Stativ, im richtigen Shootingszenario.

G: Ja, genau. Und ich wusste nicht…Dadurch, dass alles sehr installiert war, wusste ich nicht, also ich bin direkt in den Museumsmodus, den wir früher indoktriniert bekommen haben, also ich zumindest, ich muss leise sprechen, darf ich überhaupt sprechen? Was aber direkt und gut aufgebrochen wurde, dass Dennis mich direkt angesprochen hat und „Hallo“ gesagt hat. Das fand ich gut. Er hat mir direkt gesagt, was ich machen kann, worauf ich Lust habe.

W: Er hat Dich eingeladen, was zu machen?

G: Ja, aber nicht so „Komm, mach das!“, worin ich mich aber auch nicht wohl gefühlt hätte, sondern Du hast gesagt, „Du kannst mir sagen, was ich zu tun habe, was ich machen soll“. Angenehm. Dann war leider sehr schnell der Akku der Kamera leer.

W: Ahahaha!

G: Ich konnte keine Fotos machen.

D: Der lädt jetzt gerade auch auf – bis morgen durch.

G: Ich habe erst so ein paar vorsichtige Fotos gemacht, wie er so dalag, mit dem Spiegel…

W: Du hast das Shootingszenario erstmal benutzt, was vorgegeben war?

G: Genau. Ja. Dennis hat halt gesagt „Du kannst mir auch sagen, wie ich mich hinstellen und bewegen soll“. Aber ich musste mich erstmal da reinfinden. Mit der Kamera zurechtfinden. Mit dem Stativ. Und dann, als ich so ein bisschen losgelegt habe, war der Moment, dass ich keine Fotos mehr machen konnte. Tatsächlich machte es auch Spaß, nur Motive zu finden. Natürlich wäre es noch viel mehr Spaß, das auch festzuhalten.

W: Es ist total schade für Euch, dass das nicht geklappt hat. Finde ich. Als ich reinkam, hat er zwar auch „Hallo“ gesagt, ich meine, wir kennen uns auch privat, aber er hat wirklich nur „Hallo“ gesagt, sonst nichts. Und trotzdem war mir klar, weil die Kamera, das ganze Ding, ist ja eine Aufforderung. Das ist eine Aufforderung als Stereotyp. Eine Art und Weise erotischer Fotografie, sag ich jetzt mal. Nackig auf dem Pelz und helles Licht, ne? Dann habe ich selber so, weil Dennis mir im Vorhinein schonmal was erzählt hat, gefragt „Also, ich kann machen was ich will?“. Und er so „ja“. Und diesen Moment fand ich interessant, weil dann so eine Spiel für mich angefangen hat. Okay, dann guckst Du und Du siehst die Dusche und sagst: „Okay, geh jetzt in die Dusche! Mach doch mal“. Das fand ich so vor. Also, ich fand so, es gibt so eine Schwelle, mindestens eine Schwelle, die Du so passieren musst, das ist ja auch ein Moment, von dem Du eben geredet hast.

G: Hmhm.

W: Bis die Technik versagt. Aber was ist dann eigentlich passiert? Ihr wart ja recht lang drin. Länger als ich.

G: Echt? Kam mir gar nicht so vor.

D: Keine Ahnung.

G: Ich habe erstmal so geguckt.

W: Probiert.

D: So gesucht.

G: Ich habe erstmal gesagt: „Stell Dich mal vor den Spiegel“ und so. Und „Komm mal, geh mal ganz nah dran. Kennst Du das barocke Bild, von den zwei Frauen, wo die eine der anderen an die Brustwarze fasst? Mach das mal bei Dir!“

W: Haha!

G: „Erzähl Dir mal ein Geheimnis.“ Ganz viel mit seinem Zwilling auch. Das fand ich total schön. Es war halt, als wären zwei nackte Körper da. „Und dann leg das mal so, jetz leg ich Dich so drauf.“ Schon sehr die Frage, was hat das mit Begehren zu tun, oder so?

W: Jetzt wo Du Spiegel sagst, was ich eigentlich am coolsten fand, waren die Fotos, wo Du Dich gegen die Duschwand gepresst hast, wo Du so an der Tür warst. Da habe ich mich am wohlsten gefühlt, weil etwas zwischen uns war. Ich weiß nicht, ob das mit dem Spiegel etwas ähnliches ist, es erinnert mich nur daran.

G: Dass so einen Filter gibt. Ich fotografiere das Spiegelbild und muss nicht direkt Dich in Deiner Nacktheit anschauen und irgendwann die Überlegung „mach nicht so, sondern machs so!“. Da kam ich mir direkt asozial vor – und dann natürlich die Überlegung, werde ich hier als Betrachterin vorgeführt? Und ob ich das will? Will ich das überhaupt? Vielleicht will ich es ja nicht, irgendwie finde ich es auch okay, was natürlich mit unserer persönlichen Ebene zu tun hat, weil wir uns kennen.

W: Sowohl im Negativen, wie im Positiven.

G: Und dann wie, so wie, „Ja mach mal“ Dass man sich selber entlarvt. Wenn man z.B. sagt, mach mal die Beine auseinander. Und in dem Moment vergesse ich, wer Du bist und sehe nur das Objekt, das ich installieren soll und sage, „Mach mal die Beine bisschen breiter“, damit ich das in bestimmter Weise fotografieren kann. Und hätte es jetzt ein Foto davon gegeben, wäre klar gewesen, was ich will

W: Hast Du ihn das denn gefragt?

G: Ja. „Nimm die Beine auseinander“.

W: Weil das wäre dann ja die nächste Schwelle. Ich habe auch gemerkt, ich war ein bisschen locker, weil ich am Anfang, der Anfang hat mich so an Umkleidekabine erinnert. Alle sind so nackt und man guckt schon auf den Pimmel des Anderen, aber nicht so lang. Das war so. Und ich habe mich dabei beobachtet, wie ich in dem Modus bin. Jetzt nicht zu lang hingucken, sonst wirds ein Affront. Also, wenn ich den Pimmel zu lange fixiere an der Stelle und das habe ich auch gemerkt, dass ich Deinen Penis öfter fotografiert habe und immer okayer damit wurde. Über die Dauer wird die Nacktheit Natur. Also, ich habe mein T-Shirt auch ausgezogen. Weil Du das überhaupt, die Nacktheit, sehr angenehm vorgetragen hast. Weil Du immer mal so dastandest und es hatte was lustig-skurriles, wie Dein Pimmel so baumelte.

D: Haha.

W: Oder Du baumeltest. Äh. Und das fand ich auffällig. Wie sich über die Zeit, so gings mir, die Nacktheit in Ordnung wurde. Und wenn wir noch weiter hier bleiben, ist die kommende Dimension, dass wir zusammen auch Sachen machen, uns zusammen hinstellen.

G: Habt ihr ja bereits ein bisschen.

W: Ja, und ich war nur 10 Minuten dabei…Worum es hier so gar nicht geht, ist mein Gefühl, dass mir keine Sachen zu einem nackten Mann einfallen würden.

G: Referenzen?

W: Object of my desire…Also, ich habe nicht das Problem, dass mir keine Bilder einfallen, in denen Du schön aussiehst. Ich dachte irgendwann mal, es ging um die Leerstelle vom attraktiven Mann, vom männlichen Körper.

G: Kenne ich gar nicht, die Leerstelle.

W: Ja, ich kenn die auch nicht. Es ist ja völliger Quatsch. Aber weil der Mann in öffentlich bekannten Bildern oder Foren weniger sexualisiert wird. Aber ich glaube es ist auch kein Wunder, dass ich Dich, Dennis, zuerst in die Dusche geschickt habe.

G: Ich hatte so Kaminbilder vor Augen. Klar, es ist immer noch im Nachhinein, „ich hätte ja alles nutzen können, was im Raum ist“…

W: Aber es ist nicht viel dort! Im Raum. Wirst Du es in diesem Raum machen?

D: Hmhm.

W: Weil erstmal finde ich den Raum nicht geil.

D: So richtig geil finde ich den auch nicht. Aber das hat auch pragmatische Gründe, dass ich, äh, auch Laufpublikum abfischen möchte, von den Parties.

W: Hähä

D: Die sich drumherum abspielen.

W: Ach, Du machst das während der Party?

D: Ja, ich mach das während der Party.

G: Was für ne Party?

D: Da ist so eine Party von einer Übung. Von 22 Uhr bis 2 Uhr.

W: Du hast es also auf Sex abgesehen?

G: Da werden sich schon Leute nackig dazulegen.

D: Das werden wir sehen. Ich finde interessant, dass ich erstmal nicht abschätzen kann, also für mich ist es eine gute Übung, weil ich bemerkt habe, wieviele offene Sachen, das für mich bedeutet. Also, wie kommen die rein und was sage ich dann. Wie gesagt: Ich hätte gerne jemanden, die die Leute reinschickt und so. Und frage mich, was das ändert, wenn man weiß, da ist auf jeden Fall jemand draußen, der sitzt und wartet, bis es fertig ist.

G: Ich glaube es ändert insofern etwas, dass, wenn Du die Person bist, die mich einweist, mit der ich im Raum bin, dann bist Du nicht nur das Kunstobjekt, sondern auch der Produzent. Die ganze Sache. Wenn es jedoch einen Zwischenmenschen gibt, der mir erklärt, was ich zu tun habe und nun hineinkomme und Dich sehe, als einen Teil der Inszenierung.

W: Das glaube ich auch. Das Ding operiert ja mit der großen Intimität, die ich mit Dir aufbaue, die zwischen uns entsteht, und wenn dann nun jemand anders draußen rumschleicht, finde ich das weniger.

G: Ja, ich weiß nicht, ob es schlechter ist. Aber es wäre auf jeden Fall, wenn ich reinkomme, erstmal der Nullpunkt. Alles ist auf Null und Du, genau wie der Teppich oder die Kamera, Teil des Bildes.

W: Aber ist es nicht so, ich, also, dass eben eine Schwelle wegfällt? Die allererste Verunsicherung. Es ist doch eine coole, ich finde es einen coolen Moment, da zu sein, Dich nackig zu sehen, Dich auch da zu haben und damit umgehen zu müssen. Mit so einem Nackten. Fotografie. Mit Fotografiertwerden. Erstmal billig. Eine krasse Sozialität erstmal. Und das finde ich erstmal, das finde ich erstmal richtig. Auch das zu belassen, oder?

D: Ohne eine Vorherinstanz?

W: Ja.

G: Ohne jemanden, der einweist?

W: Ja. So wie bei Dir und bei mir.

G: Oder es macht die Person, die vorher drin war?

W: Es war natürlich cool, Dich, Golschan, anzugucken, als Du aus dem Raum rauskamst. Da wirds Theater, finde ich. Wenn Du so rauskommst, ich aber weiß, Du hast da was gehabt mit dem dadrin. Aber Du warst superdiskret und cool, ich konnte nichts aus Deinem Blick ablesen. Aber ich habe total, total gesucht. Sachen, die ich aus Deinem Gesicht ablesen kann. Geil wäre, wenn alle, die raus kommen, erstmal über den ganzen Hof laufen müssten. Und alle gucken die Person an und fragen sich „Was hat die Person gerade erlebt?“ Oder so. Ja gut, was soll das jetzt. Aber darum bin ich auch so um Euren Raum herumgeschlichen. Ich war neugierig. Um zu sehen, wie Du rauskommst. Allein diese Dauer, die ist geil. Zu wissen, geil, seit 20 Minuten sind die da drin.

G: Das kam mir nicht so lange vor.

W: Warum hast Du, Dennis, keine Kostüme?

D: Ich habe vor, den zweiten Durchgang zu variieren, dass mehr Sachen dort sind. In der ersten Pose verweise ich auf die Cosmopolitan ´73 mit Burt Reynolds.

W: Darum der Schnurrbart!

D: Genau. Ob das Bild eine Rolle spielt. Ich glaube aber, dass die Wenigsten das erkennen.

G: Das Zitat. Ich habe es eh als Zitat empfunden. Nicht explizit ein Bild, aber als bestimmte Ästhetik.

D: Deswegen frage ich mich auch, ob das irgendwo da sein soll. Es fällt mir schwer, mich dazu zu entscheiden, dass das Bild irgendwo ist.

G: Das macht es vielleicht so ein bisschen ironisch. Ich weiß nicht.

W: Dann ginge es viel mehr um das Zitat. Das fände ich komisch.

D: Das will ich eigentlich nicht, ich will mehr das Setting, die Action, als das Zitat.

W: Ist er in dem Originalbild auch vor dem Spiegel?

D: Nee, er ist nicht vor dem Spiegel.

W: Das Interessante wäre doch dann, wie aus dem Klischee rauskommen? Aus der Ausgangspose. Der nackte, schnurrbärtige Mann mit Brusthaar, auf dem Pelz. Also, oder? Das ist doch schon auch eklig, oder? Wenn ich jetzt an Burt Reynolds denke. An Cosmopolitan.

G: Ich weiß nicht, ich finde es ein bisschen hot.

W: Ach so, Du findest es hot. Ja, okay.

G: In seiner Absurdität. Es ist aber gleichzeitig monströs. Als Zitat.

W: Es ist auch fies, Du liegst so halb um die Ecke, wenn wir reinkommen. Und es ist gleich ääh. Mich hat es zuerst abgestoßen in dieser Direktheit.

G: Gut, klar. Erstmal muss ich denken, Ogottogott, aber in dem Moment, wo ich zur Fotografin werde und auch dieses Klischeebild inszeniert habe, muss ich zu dem Bild stehen und werde zur Verantwortlichen für das Bild. Und sehe ein anderes Bild, weil ich dem zustimmen muss, dem Bild.

W: Ja, Du weißt auch, dass es gespeichert wird. Du bist dokumentiert, im Nachhinein. Es ist etwas sehr persönliches, die Momente, wo ich Dich vielleicht sexy finde. An manchen Bildern will ich dann nicht mitmachen. Naja, okay. Aber was fandest Du jetzt sexy an der Situation?

G: Sexy ist meine Verantwortung für die Situation und das Bild!

W: Also, die Erotik zwischen Fotografin und Model?

G: Voll.

W: Ja, das kann ich verstehen. Diese spezielle Beziehung, die um-drei-Ecken-Erotik. Im Setting. Mit dem Kostüm der Nacktheit, mit der Kamera dazwischen. Es hat etwas Fetischhaftes. Eine komische, eine indirekte Erotik.

G: Wie meinst Du Fetisch? Wegen des abgeschlossenen Raumes? Der trotzdem keine Privatheit zulässt?

W: Naja, dass ich weniger mit der Person Dennis eine erotische Geschichte habe, sondern mit den ganzen Objekten und dem Bildobjekt Dennis. Das ich ein Stück weit zurichte, einrichte. Du bist schon der Sklave und warst servil, das hat seinen Reiz. Fetisch stimmt wahrscheinlich nicht. Pervertiert? Ich kenne die Begriffe alle nicht so gut. Komisch ist aber, dass wir uns kaum angefasst haben, kaum berührt. Gar nicht eigentlich, oder? Und das finde ich gerade tricky, dass wir etwas miteinander hatten. Eine Erotik ohne Berührung.

G: Eigentlich guckst Du als Fotografin so wie, Du guckst nicht direkt, sondern indirekt durch die Linse. Dadurch, dass bei mir der Akku leer war, dass die Kamera nicht scharf gestellt hat, musste ich Dennis immer direkt angucken, ob das passt oder nicht und habe mich zwei, drei Mal dafür entschuldigt, dass ich Dich so direkt angucke und erklärt, dass die Kamera nicht scharf stellt. Der Apparat ist Schutz für mich und für Dich. Und ich breche die Spielregeln, wenn ich Dich direkt angucke und ohne Kamera sage, was Du tun sollst.

W: Es ist eine schon eine große Lust, die entsteht. Ich finde Detailaufnahmen immer geil. Vor allem Dein Gesicht zu fotografieren. Das war mir erst peinlich, aber dann auch die Achselregion, den Hüftbereich. Die Füße z.B. weniger. Aber es ist ein Zerlegen des Körpers in verschiedene Bereich und wie beim Sex. Die erogenen Szenen, äh, Zonen am anderen Körper abzulaufen und so.
Das finde ich hier extrem gut. Wie das funktioniert, mit der Scheißkamera. Und ich kann es total verstehen, wenn Du die Kamera durch Dein eigenes Auge ersetzt, dass es superobszön wird.

G: Gut ist ja, dass die fotografierte Person nicht genau mitbekommt, wohin gerade gezoomt wird. Die Frage habe ich Dir auch gestellt.

D: Du hast mich gefragt, ob Du mir die Fotos zeigen sollst. Haha.

W: Das ist eine gute Verunsicherung. Dennis macht es schon gut, weil er alles so locker mitmacht. Wo ich denke, boah, ist der cool. Was hat der wohl schon alles erlebt.

G: Das wollte ich auch sagen! Ich hatte einen Moment, wo es mir schon zu cool war. Ich dachte, der findet das total geil, nackt fotografiert zu werden

W: Auf jeden Fall. Das ist die Grundvoraussetzung. Darunter macht er es nicht. Oder? Wenn es darum geht, sofort. Ich habe sofort das Gefühl, wie Du mich am Anfang anguckst, lustig bis geil findest. Mich stört das nicht.

G: Ja. Ich habe mich auch gefragt, ob es für Dich einen Unterschied macht, was ich von Dir fotografiere. Ich habe ja nicht mit Dir darüber geredet, was ich so gemacht habe und wie Du das findest. Was ich in den Fokus nehme.

W: Weil er auch so wenig gemacht. Ich habe ihm ja Aufgaben gegeben, damit er beschäftigt war, während ich ihn fotografiere.

Alle: Haha!

W: Fällt mir nur momentan auf. Vielleicht habe ich das gemacht, damit Du mich nicht zurück anguckst. Haben wir aber schon gesagt. Jetzt aber nochmal gefragt, Dennis: Erwartest Du persönlich erotische Abenteur? Passiert ja sowieso. Aber…

G: Ich jetzt?

Alle: Haha!

W: Naja, egal. Für mich ist nur die Frage, was noch kommt. Dennis, was Du noch anbietest? Ich war, wie gesagt, krass froh, als ich die Dusche entdeckt habe, um was zu tun zu haben. Es ist halt extrem, reinzukommen und der nackige Burt Reynolds ist da. Ich finde es schon hart. Wir sind vielleicht bisschen erfahrenere, abgezocktere Besucherinnen. Aber wenn meine Mama jetzt reinkäme, die müsste vielleicht eine Möglichkeit haben, Dich zu bedecken. Glaube ich. Vielleicht stimmt das auch nicht, und wenn Du so etwas nicht willst, ist es ja okay. Es gab nur mein starkes Bedürfnis, die Nacktheit abzustellen.

D: Mein Wunsch ist es tatsächlich, das Ganze so zu belassen. Aber, wie gesagt, beim nächsten Durchgang mehr Initiative zu zeigen. Sachen zu haben.

G: Kostüme?

D: Ja, das ist möglich. Aber eigentlich ist mein Wunsch ein möglichst leerer Raum. Morgen nehme ich mir noch ein Handtuch mit.

W: Ich hatte auch sofort die Vorstellung von einem weißen Frottee-Handtuch, mit dem Du Deine dunklen Haare abtrocknest. Noch eine Frage: Ist es an einen Genderdiskurs anschlussfähig? Diskurs sowieso wenig, weil kaum Sprache statt findet. Aber haben wir da jetzt was vergessen?

G: Könnte es schon haben. Weil es so wechselt vom klassischen Setting. Der Mann vor der Kamera, ja, aber es ist trotzdem eine männlich geprägte Ausgangsposition.

W: Wobei ich finde den schlaffen, männlichen Penis schon ein Ding. Der nicht errigierte Penis ist schon…

G: Mhm.

W: Als Bildelement mir jetzt wenig bekannt. Gibt es wenig zu sehen. Das wäre für mich eine Komponente vielleicht.

G: Wo ich mir nicht sicher bin, ob ich es problematisch finden soll, wie unweigerlich, durch den Bart und dessen Konnotation, es auf so eine homoerotische Ebene geht. Als Klischee. Und das ist die Frage, ob es ein Klischee und dadurch wenig überraschend, sondern eine Persiflage ist.

W: Achso. Eine Schwulenverarsche.

G: So weit würde ich nicht gehen. Aber so als Spiel: „Komm, wir inszenieren Homoerotik“. Das fände ich schade. Dann dachte ich aber, naja, das Bild, das produziert und dann aber umkonstruiert wird, wenn ich Dir sage, was Du machen sollst. Es war mir dann eher egal und spielte keine Rolle. Gleichzeitig Verweise wie der Schnäuzer, das Brusthaar und so. Sich räkeln, auf dem Pelz. Das spielt auf bestimmte Bilder an. Wo ich sagen würde, darum ging es bei Burt Reynolds auch. So eine Koketterie.

W: Daran habe ich gar nicht gedacht, verstehe aber was Du meinst. Aber ich glaube, dass sich das auflöst, in dem Moment, wo die Kommunikation statt findet. Und es wird nicht gebaggert, oder so, sondern um die Inszenierung geht, Professionell. Die Adresse bist ja Du, was Du willst und was Du gut findest. Es entsteht was Persönliches und wir müssen aushandeln, wie im Theater gesagt wird, was passiert. Alle Bilder müssen neu gemacht werden. Aber es stimmt, es gibt die Verweise, die gibt es schon, aber wie kommt man da raus? Will man da überhaupt raus? Es ist ja immer ein Aspekt, die anderen Bilder. Aber ist es rein männlich, so eine hetereo, äh, eine Homoerotikgeschichte – das Brusthaar, oder? Es ist dann. Ich weiß auch nicht. Naja, es war mir wirklich nicht präsent, die Frage. Aber, ähm.

G: Ich habe mich nur gefragt, wieso gibt es diese Verbindung? Und was soll das heißen, ob man da raus kommt? Es kokettiert schon damit. Auch andere Leute, die einen Schnäuzer haben. Es gibt da verschiedene Ebenen, die damit angesprochen werden.

W: Ja, der Schnäuzer stimmt. Das ist so eine Sache. Ich weiß nicht, ob es einen Unterschied machen würde, wenn Du auch Rasierzeug da rumliegen hättest? So als Angebot.

G: Nee, es kann das ja alles sein. Warum nicht? Aber nicht nur. Nicht nur so, dass es zu eindeutig ist und es keinen Spielraum gibt! Für Diversität.

W: Achso, deswegen ist der leere Raum eigentlich doch voll gut! Dass es so wenig Vorbilder gibt.

G: Ich finde den auch gut. Da dürfen auch keine Bilder, die Leute vor mir gemacht haben, hängen. Geht es um die Referenz, oder den eigenen Fotovorgang? Um die Begegnung. Ist es eigentlich komisch, dass der Spiegel so präsent ist, am Anfang? Es war mir unangenehm, die Vorstellung, mit auf dem Bild zu sein.

W: Echt? Ich fands total gut. Voll reflexiv habe ich immer versucht, mit auf dem Bild zu sein. Einmal habe ich auch ein Bild gemacht, als Dennis weg war, wo Dennis gar nicht drauf war, sondern nur so ich.

G: Ja, was mich nur gefragt habe, was passiert, wenn es in so einem Partykontext steht. Und so eine Belustigung wird, arty-farty.

W: Vielleicht solltest Du es mal im Louvre machen. Das wäre geil, oder im Mehrgenerationenhaus Hildesheim, an der Steingrube. Entweder total heilig, oder Du bekommst auf die Fresse.

G: Von den Opis?

W: Oder von den Sozialarbeitern. Es ist schon die Frage nach dem Kontext. Es reicht doch, dass Du schon so geil auf die Situation bist. Wenn ich dann auch noch so angesoffen und flirty unterwegs bin, und die Selbstbeobachtung ausgeschaltet ist, wird es Ficken. Und die Erotik hört. Aber das wirst Du ja morgen selber erleben und hast auch Bock darauf.

G: Geht für Dich alles, oder gibt es Sachen, die Du nicht möchtest?

D: Das weiß ich tatsächlich noch nicht. Es gibt keine vorgeschriebene Sachen. Alles hängt von der Situation ab. Ich glaube auch, dass ich nicht auf alles Lust habe, was passieren kann. In meinem Kopf hat es aber noch keine schlimmen Ausmaße angenommen. Konkrete Befürchtungen habe ich keine. Wenn ich mir vorstelle, was die Leute so machen, habe ich nicht das Gefühl, dass da irgendwas zu schnell geht. Heute auch nicht. Ich dachte nie, gleich dreht hier alles durch. Gerade bei Dir, Golschan, hat es sehr beschaulich und ruhig angefangen. Natürlich, ohne Kamera, geht es nicht. Aber, dass es ausartet, hatte ich nie das Gefühl. Deswegen bin ich auch von einer unausgesprochenen Zeitbegrenzung ausgegangen. So zwanzig Minuten und das reicht dann, das irgendwie zu signalisieren.

Dieser Beitrag wurde unter cobrakritik.cobra, cobrakritik.cobra, cobrakritik.cobra veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Warning: count(): Parameter must be an array or an object that implements Countable in /var/www/l3s9139/html/wp-includes/class-wp-comment-query.php on line 405

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *