Ja, liebes Liebsteam, entschuldigt, dass ich so spät von Samstag berichte, aber ich hatte heute so schrecklich viel zu tun, aber lasst uns hier nicht rumhampeln, sondern Erinnerungsarbeit: wir begangen einen schönen Tag mit Frühstück, am Wandsbeker Markt von Julia und Julian besorgt. Es gab zahlreiche Brötchen. So schnell so manche zum beliebten Körnerbrötchen griffen, so intuitiv nahm ich mir ein Stück Baguette, um nicht ein einfaches Brötchen nehmen zu müssen und doch nicht gierig rüberzukommen. Da ich nur wochenends zu Besuch bin, will ich lediglich positiv auffallen.

Darum baute ich vor dem Frühstück, Gesprächsthemen übrigens vergessen, mit Lea usw., eine Ar Bühnenbildattrappe auf. So ungefähr das Bühnenbild. Eine Wand quer im Bühnenraum. Szenografie, noch zu schreiben, heute noch.

Vorerst sollen wir einen Text lesen, den Martin mitgebracht hat. Das Schweigen Marias (könnte auch anders heißen) von Luce Irigaray. Leider ist der Text nicht beidseitig kopiert, weswegen Martin alles vorlesen muss und wir nur die Hälfte mitlesen können. Zwischendurch ereifere ich mich, weil die Autorin Formeln wie „das Göttliche in uns“ benutzt, die mich aggressiv machen und bei mir aufs größte Unverständnis treffen, mir eigentlich wie eine Unanständigkeit und ein riesiger Kappes vorkommen. „Von Maria wissen wir wenig“ und weniger noch wissen wir über eine Zeit, da wir diese Vorlagen nicht mehr akzeptieren, die ganzen Begrifflichkeiten, Das kann ich jedenfalls schon bei der ersten Seite Text. Wir lesen weiter, und auch ich kann akzeptieren. Zwei Dinge habe ich mir aus der Diskussion gemerkt, die vor allem Kathrin, Julian, Justus, Wanja und Martin führen. Es gibt einen sehr konkreten Vorschlag, der aus dem Text hervorgeht. Das Atmen. Und das Schweigen. Maria, Mitstifterin des Christentums, ist natürlich das Mysterium, weil wir von Ihr, die Jesus geboren, keine/kaum Äußerungen kennen oder zu kennen meinen. Jetzt ist es an der Zeit, dies als Strategie, bewusstes Vorgehen, als eine Strategie des Schweigens zu verstehen. Keine passives Ertragen, aber eine Aufschub von Sinn oder Gegensinn. Keine Beteiligung, aberAnwesenheit. Und Kultivierung des Selbst als Kultivierung des eigenen Atems zu verstehen. Ein spiritueller Vorgang, der hilft den Zugang zum Selbsterkunden. Schon redeten wir über Verhaltensweisen kompatibel mit Bühnenverhalten. Nicht auf Dauer, aber als ein dynamisches Prinzip: besides the old trahs an easy proposal: breathe

methodisch: alles was es gibt auf uns die gruppe beziehen

Und weil bei uns viel ausprobiert werden soll, weil viele gerne praktisch auf der Bühne etwas ausprobieren wollen, sich und die Anderen erleben und darauf eine gemeinsame Geschichte bauen, der wir uns kommunikativ erinnern, sonst wäre sie nichts wert und die zu Ergebnissen führt, die in der Aufführung, sonst wäre die nichts wert. Was wir einander geben, ungefähr. Also sitzen Jana und Wanja auf der hinteren Bühnenseite, der in zwei geteilten Zuschauersituation und Rabea, Martin, Lea, Anna auf der anderen. Judith, Justus, Marie, Alex, Julian bewegen sich im Bühnenraum.

Alle probieren so ein bisschen wonach ihnen jeweils ist, so mein Eindruck. Und dadurch, dass ich nicht alles sehe, denke ich natürlich ich verpasse etwas, bin also konfrontiert mit einem kleinen Arschloch, das mich spricht und denkt, die andere Bühne sei die Hauptbühne und wir bekämen nur einen A, der uns nur penetrant angrinst, und antanzt, leicht von links nach rechts tippelnd. Dafür kann ich sehen, und das kickt mich ungemein, was auf der anderen Seite passiert, indem ich Lea ins Gesicht schaue. Theatergucken, vielmehr -denken, über Bande: Geil. Theatertreffeneinladung gesichert. Julian, und mit ihm wir, nimmt den Raum und die Anderen wahr, Justus lädt zum Tanz, Marie treibt und lässt sich durch die Räume a) akustisch b) optisch c) imaginativ, Judith lacht so schön, dass mein Herz, und Alex ist mein vergötterter peinlicher Tanzbruder, nur noch ein wenig zu bequem und selbstzufrieden. Sie alle machen eine Bühne über Nullstelle und Phantasiestelle im gleichen Hörraum. Sie trennen die Räume scharf. Alle für sich. Sie machen einfach einen Raum. Wir betrachten den Ort und alles, was an ihm ist. Martin muss früher gehen, wir besprechen noch einiges, ganz locker und halbsystematisch, gleichen wir unsere Erfahrungen und Beobachtungen ab. Es ist nur ein Gerippe an Gruppe auf der Bühne, was natürlich irgendwelche Verallgemeinerungen oder Regelmäßigkeiten verbietet. So viel: es war schön, zu atmen. Für eine irgendwie gewisse Zeit, irgendwie gemeinsam.

Es ist eine saugeile Konstruktion, obwohl es noch die hässliche Behilfsscheiße ist, die wir schnell aufgestellt haben. Eine Performance führt eine Unterscheidung in sich selbst ein. Sie sagt: Ich bin dies und etwas anderes, von mir selbst unterschiedlich. Und doch haben wir am Vortag lange diskutiert. Und was uns, speziell Martin, vor der Entscheidung für diese Bühnenkonstruktion, abschrecken lässt. Die technischen und organisatorischen Umstände. Unsere ständigen Umzüge von Probebühne zu Probebühne. Wie eigentlich zwei Stücke inszenieren, wenn das Bühnenbild nur beschränkt nutzbar und alle zehn, elf von den Auftretenden, gar nicht soo oft beisammen sind. Und: wir eigentlich nur zwei Tage zu Einrichtung und einen Tag zur entscheidenden Erprobung und Bespielung der originalen, technisch eingerichteten Bühnensituation haben. Also die Entscheidung, ob wir uns einen größeren Stress, der vor allem auf Martin/Rabea zukommen wird, die unsere Proben organisierend überhaupt erst ermöglichen. Wie entscheiden wir uns dann für oder gegen dieses Bühnenbildvorhaben und was sind die Parameter, nach denen wir uns entscheiden. Und wenn wir uns realistisch-weniger stressig dagegen entscheiden, Eine gute Show soll aber schon rauskommen, am Ende. Wenn ich jetzt mal so eine Stimmung beschreiben sollte.

Übrigens die Idee (wird Copyright langsam zum Thema?), den ganzen Text von Satzzeichen und Figurenbeschreibungen zu befreien, ist anscheinend im Verlauf aufgekommen. Das ist natürlich nur richtig und die konsequente Weiterführung der Praxis des Umgangs mit Revisor. Nach der ersten Lektüre dieser, von einer Justussoftware (geil geil geil) bearbeitet in fünf minuten, oder was der auch immer behauptet und jetzt haben wir ein riesiges, fettes Gedicht, das keiner mehr versteht. Und jetzt können wir das ganze Ding kleinhacken und kürzen, weil es dicht und leer an Schranken der Verständlichkeit ist – plain pictures oder ikonografische sprache. Die Körper werden flächiger und erinnern an uns selbst: Wir sind ganz nah dran an Heiner Müller und sind auch in der Lage hineinzuschreiben.

sonst habe ich allgemein das gefühl zu verlottern und total abgewirtschaftet zu sein, doch der selbstekel hat sich noch nicht für mich sichtbar auf die anderen übertragen, wahrscheinlich lesen die meisten auch nicht bis hierhin, dass mir keine konsequenzen drohen, bis auf das nichtenden dieses gestanks, der mich nicht verlassen will und dem auch martins kleiderreinigungsspray nichts anhaben kann. stattdessen in der pommesbude sitzen, viel eiweiß nachholen, sich nicht mehr an den schwarzen flecken auf den pommes stören, und alles, wirklich alles ist dreckig an mir, während die neben mir, nicht darauf eingehen. aber auch ich rieche sie ja nicht. sie, im grobmaschigen, weißen rollkragenpullover und buntkarierter weste gekleidet, reden von raumstationen, die ihnen gehörten, sie müssten andere planetensysteme aber verlassen, jetzt nach dem upgrade aber wieder die fahnen in den wind gehängt.

und sprachkritik kennt man überall, egal, ob auf Safari oder direkt am dunklen Arsch der Hölle, die sie ihre Geistesarbeit nennen und uns immer noch das Geld vorenthalten, das wir verdient hätte, wenn diese schreckliche Scheiße ans Licht kommt: aus der Mediathek des ersten Fernsehens

 

 

 

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