Liebes Probentagebuch…

… Wer kam denn eigentlich auf deine bescheuerte Idee ?

„Alles kann nichts muss“ – heute muss keiner, daher kann ich. Aber für wen denn nun? Für die nicht- Produktionsbeteiligten Blogleser? Für alle Beide? Na gut. Aber dann geht’s jetzt auch um mich, darauf habe ich mich geeinigt.

Ihr Beide:Also du, mal unter uns, wie war es denn heute so, mit den Proben und so, seit ihr über das Theater hinaustranszendiert oder du nur weiter in deine Mütze hinein?“

Ich so: „Sorry, hab ´gerade meine Gitarre gestimmt“

Und um ehrlich zu sein, weiß ich das gerade nicht so genau, schon seit ein paar Tagen nicht mehr, heute aber vorerst nur, weil ich spät dazugestoßen bin.

Man munkelt, dass etwas ganz tolles am Vormittag passiert sein soll. „Spooky“ nennt es Justus und sieht auch kurz so aus. Ich glaube ihm, weil ich es glauben will, weil ich meine, eine Ahnung zu habe, was das sein könnte, weil ich es weiß, weil ich sowieso immer alles weiß.

Das will ich dann sogleich auch haben, am liebsten luftdicht einschweißen und ins Regal stellen, unbedingt. Das will ich haben – und sobald ich dahinter gekommen bin wie es funktioniert, will ich es nachbauen und ganz viel davon haben, bis ich aufhöre mir damit auf den Sack zu gehen. Nein, interessiert mich gerade nicht was du von außen siehst, ich will das jetzt haben!

Gibmir

Oben: „Warum bekomm ich mich nicht von euch zurück?“

Aber erst mal einen Schritt zurück.

Setz dich, ihr Beide. Gut. Ich muss mit dir Reden. Es geht um uns!

Welche Rechtfertigung hast du eigentlich, hier am Produktionstisch mit all den anderen zu sitzen. Klar, keiner Muss, aber machst du es nur, weil du es kannst? Muss das dann? Kann das dann nicht ein anderer besser?

prob

oben: Bühnenbild kann ich nicht

Aber erst mal einen Schritt zurück

Flashback (ziing)

Ich liege auf der Probenbühne. „Wiederaufnahmeprobe“ nennen es die einen, ich nenne es: „HähäKeinerMerktDasIchDieKörperübungGarnNichtMitmachLOLAbereSchönDasIchWiederMitEuchAufDemBodenLiegeUndMerkeWieSehrMirDasGefehltHatUndIchWillGeradeNieWiederAufstehen“

Gegenwart (wusch)

Ich sitze auf der Probenbühne. Ich schaue suchend im Raum herum,dann auf Julia, die ist oft gut anzuschauen. Sie macht den Mund auf und ich hoffe kurz auf einen kleinen charmante Diss, damit ich ihr meinen Finger nach langer Abstinenz wieder ins Ohr stecken kann. Tut sie aber nicht. Sie sagt was anderes.

Schade.

Das hätte mir nämlich sehr gut gepasst, dann würde ich vielleicht nicht mehr so genervt, unruhig, aggressiv am Tisch sitzen und darauf aufpassen müssen, dass meine Bewegung zur Flasche ja langsam genug ist und keiner was merkt.

Ein schlauer Mann hat mal gesagt: „INPUT, ich bin voll davon“ – heute weiß ich, was dieser Idiot meinte.

Die Gespräche waren oft leider gut, aber dieser charmante Bursche denkt, er habe in den letzten Jahren das Interesse am Wort verloren. Vielleicht weil er denkt, bereits die Zeit verloren zu haben. Er freut sich eher, auf das was er sieht. Er hat das Wort allerdings noch nicht ganz aufgegeben. Er freut sich wenn Worte ihre Bedeutung einlösen, das ist was raffiniertes, das Worte können. Da fühlt er sich dann auch ganz raffiniert und High Fived sich in den Schritt.

In den Proben steht er aber nun gerade auf einem riesigen, wortwörtlichen Turm, einem sehr ambitionierten Turm, durchaus! Vielleicht auch manchmal einen tick zu hochnäsig für seinen Geschmack, aber Türme lassen sich eben nicht tiefstapeln. Eingelöst hat sich für ihn jedoch noch nicht so viel, vielleicht weil noch zu wenig ausgelöst wird, dabei hat er doch keine Zeit, die Pappnase.

…Wie kommen plötzlich die schwarzen, fingerlosen Handschuhe an seine Hand…??

AHWASFÜRNEKACKFOTZENSCHEISSEHIERDASALLESDUNERVSTDUNERVSTMICHSOUNDDUSCHAUNICHTSOUNDAAAAFICKFICKSAU

Besser!

und Danke!

Ihr seid cool. Ich freu mich auf euch. Ich werde mir mehr Zeit für euch nehmen.

 

 

 

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